Erik & Isa | Blogroman

2 – Erik

Ihr Blick bohrt sich in meinen und ich könnte schwören, dass mein Herz bis nach China zu hören ist, so laut schlägt es in meiner Brust. Ich habe sie vermisst. Besonders ihr Lachen, mit dem sie einfach alles um einen herum zum Strahlen bringt. Aber auch ihre unbeschwerte Art und die Zankereien zwischen ihr und Tom. Es war einfach nicht dasselbe hierher zu kommen und die Zeit nur mit Tom zu verbringen. Tom ist mein bester Freund, keine Frage aber Isa ist … Isa ist …

Tom´s kleine Schwester, du Depp!

Ich schlucke und versuche das Ziehen in meinem Magen zu ignorieren. Ich habe keine Ahnung, seit wann sie für mich nicht mehr nur das kleine Mädchen mit den blonden Zöpfen und der Latzhose ist, das mich jedes Mal laut ausgelacht hat, wenn ich gegen sie beim Spielen verloren habe. Sie war wie eine Schwester für mich. Und jetzt? Jetzt schaffe ich es kaum neben ihr zu sitzen, ohne nervös an meinem Pulli rumzufummeln oder hektisch mit dem Fuß auf und ab zu wippen. Kein Wunder. Ihre großen tannengrünen Augen funkeln mich an, als ob sie mich herausfordern wollen. Dieser Blick ist es, der mir jedes Mal eine Gänsehaut beschert.

Bis eben war noch alles gut, doch jetzt weiß ich nicht mehr wohin mit meinen Händen. Unwirsch reibe ich sie über meine Oberschenkel.

Isa hat dieselben wilden Locken, wie Tom. Aber im Gegensatz zu ihm verleihen ihr diese Kringel etwas Freches. Wie ein Sommersturm, der einen einfach mitreißt, ob man will oder nicht. Zusammen mit den unzähligen Sommersprossen auf ihrer hellen Haut und den Leberflecken auf der Schläfe, die aussehen wie das Sternbild der Kassiopeia, sieht sie unglaublich hübsch aus. Kein Wunder, das ihr Bruder sie behütet, wie ein Adler sein Nest.

Unvermittelt tauchen Bilder in meinen Kopf auf. Bilder, von Isa und mir, die es so nie geben wird, nie geben darf. Ich schließe kurz die Augen, um sie zu vertreiben, aber es gelingt mir nicht. Um mich abzulenken greife ich nach der Cola, die Tom mitgebracht hat, doch ich bin zu schnell. Das braune Getränk ergießt sich zischend über den Tisch und meine Hose.

»Scheiße verdammt!«, fluche ich und stehe auf. Was für eine Sauerei. Meine Laune sinkt in den Keller.

Isa´s Augen funkeln belustigt. »Du bist so ein Held, echt«, kichert sie und hebt das umgestoßene Glas auf.

»Bin kurz im Bad.« Meine Stimme klingt rau. Isa´s Parfüm umgibt mich, wie ein zu warmer Mantel. Er ist kuschelig und gleichzeitig möchte man ihn nur noch loswerden.

»Okay, beeil dich. Ich hab Hunger«, höre ich Tom rufen, der schon auf dem Weg zur Küche ist, um einen Lappen zu holen.

Ich bin froh, das Wohnzimmer verlassen zu können, denn ich brauche dringend eine Abkühlung. Ich verriegel das Gäste-WC und drehe den Wasserhahn auf eiskalt. Zwei Hände voll Eiswasser später fühle ich mich etwas besser. Meine Hände fühlen sich weniger schwitzig an und mein Atem geht ruhiger.

Was habe ich mir nur dabei gedacht?

Mein ganzer Körper steht unter Strom. Ich wollte unbedingt, dass Isa wieder an unseren Treffen teilnimmt und jetzt muss ich feststellen, dass das der größte Fehler überhaupt war. Ein Wunder, das Tom nicht stutzig geworden ist, so wie ich ihn belagert habe. Warum sollte er auch? Er weiß, wie gut Isa und ich uns verstehen und ich habe ihm schließlich etwas versprochen. Ich weiß noch, wie leicht mir die Worte damals über die Lippen kamen. Jetzt würde ich alles dafür geben, sie niemals gesagt zu haben.

Aber ich bin sein bester Freund und ein Versprechen ist ein Versprechen. Also halte ich den Mund. Sowohl ihm, als auch Isa gegenüber. Ich hatte bloß nicht erwartet, dass es so hart wird. Ich dachte, ich hätte alles unter Kontrolle. Ich dachte, ich …

Ein Klopfen reißt mich aus meinen Gedanken und ich halte vor Schreck die Luft an.
»Erik?«
Es ist Isa. Ich stoße die Luft aus und raufe mich zusammen.
»Ja?«
»Wir wollen Pizza bestellen. Nimmst du wie immer Peperoni Salami?«
»Ja, danke.«
Ihre Schritte entfernen sich und ich atme tief durch. Das wird ein anstrengender Abend werden.

Ich sehe in den Spiegel. Meine Haare hängen mir wirr über die Stirn und überdecken einen Teil meiner braunen Augen. Es sieht aus, als käme ich direkt aus dem Bett. Missmutig fahre ich mir mit der Hand hindurch, aber es hilft nichts. Sie bleiben, wie sie sind. Zerzaust und widerspenstig.

Das wird sowieso nichts, also warum großartig Gedanken daran verschwenden. Zumal Isa kein Interesse hat. Warum sonst, war sie die letzten Wochen den gemeinsamen Abenden fern geblieben? Sie war beschäftigt. Vielleicht hatte sie keine Zeit wegen der Schule. Sind nicht bald Prüfungen?

Oder vielleicht hat sie einen Freund. Möglich wäre es … Aber davon hätte mir Tom doch erzählt, oder?

Ich seufze genervt, über meine Gedanken, die sowieso sinnlos sind und trockne mir das Gesicht ab. Anschließend beginne ich den Fleck aus meiner Hose zu waschen.

Es ist doch zum Kotzen! Sich in die Schwester des besten Freundes zu verknallen war die blödeste Aktion, die ich je gebracht habe. Warum wollte ich bloß, das sie wieder mit dabei ist?

Ein Fehler! Einfach nur ein Fehler!

Zeilentrenner neu

Etwas verpasst? Kein Problem, hier kommst du zu den vorherigen Kapiteln:

1 – Isa


Hinweis: Mit dem Hinterlassen eines Kommentars, erklärt ihr, die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und gelesen zu haben. Ihr seid damit einverstanden, dass die E-Mail Adresse, der angegebene Name und die IP, so wie die freiwillige Angabe der URL gespeichert werden.


11 Gedanken zu “Erik & Isa | Blogroman

  1. Oooooooh, du schreibst so gut!!
    Aber es war wieder viel zu kurz! 😝 Wie lange muss ich jetzt auf Teil drei warten? 🤩 Wirklich, Ella, ich liebe es, wie du schreibst!
    Ich bin total gespannt, wie es zwischen den beiden weitergeht. Ich finde jetzt schon, dass es spannend wird. 😉

    Liebste Grüße,
    Wiebi

    Gefällt 1 Person

    1. Hihi, da werd ich ja gleich ganz verlegen. ^^ Aber vielen lieben Dank und es ist echt so großartig, das du die Story magst. :-) Leider musst du dich jetzt bis nächsten Sonntag gedulden, dann gehts weiter. ;-) Entschuldige. :-D

      Liebste Grüße und einen wunderbaren Sonntag dir.

      Ella <3

      Gefällt 1 Person

  2. Ich finde es toll, auch mal aus Eriks Sicht zu lesen. Und dass er innerlich dasselbe durchmacht wie sie, ebenso ^^ Hatte ich so nicht erwartet. Aber ich ahne, was für ein Versprechen er meint … Diese Situation erinnert mich total an einen Film, den ich letzte Woche geguckt hab, keine Ahnung, ob du ihn kennst. The Kissing Booth. Würde ich auf jeden Fall empfehlen ;)

    Gefällt 1 Person

      1. Das habe ich sogar gemacht. Zweimal xD Und nachdem ich das Buch, auf dem er basiert, gelesen habe, tendiere ich inzwischen zu einem dritten Rewatch innerhalb von nicht einmal vier Wochen ^^

        Gefällt 1 Person

    1. Oooh, ich danke dir. :-D Man selbst sieht das ja total kritisch. Ich könnte jetzt schon wieder einiges umschreiben. Zum Glück ist man bei einem Blogroman gebunden und kann sich dadurch besser auf das Kommende konzentrieren. :-)

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.