Vom Anfang bis Heute von Loel Zwecker

Ich weiß noch, als ob es gestern gewesen wäre. Geschichte war ein Fach, dass mich als Kind eher wenig begeistern konnte. All die Zahlen und Namen, das wollte einfach nicht in meinem Kopf. Deshalb ist es wohl kein Wunder, dass ich in Geschichte meine einzige sechs bekam. Unangekündigte Kontrollen waren schon der Horror. Aber noch schlimmer war die Tatsache, dass die Lehrerin tatsächlich meine Arbeit der ganzen Klasse vorlas, als Mahnung, wie die Antworten NICHT lauten sollten.

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Autor: Loel Zwecker
Verlag: Penguin Verlag
ISBN: 978-3-328-10006-5
ca. 432 Seiten
Preis: 13,00 €

Um was geht’s?

Es war einmal … eine Reise, die mit dem Urknall begann und die noch lange nicht zu Ende ist. Von der ersten Zelle zu den Goldenen Zwanzigern und vom alten Ägypten zur App ist es dabei bisweilen nur ein Katzensprung.

Loel Zwecker erzählt davon anschaulich und alltagsnah, mit einem Blick für überraschende Details und verborgene Zusammenhänge: Wie im Mittelalter die Brille erfunden, in Indien die Meditation zu einer echten Macht wurde und die Waschmaschine unser Leben veränderte. Geschichte braucht Geschichten – und diese ist eine ganz besondere.

Und wie fand ich es?

Ich besitze die oben erwähnte Arbeit übrigens jetzt noch und mittlerweile kann ich auch darüber lachen. Damals jedoch, bin ich auf meinem Stuhl immer tiefer gesunken. Zum Glück nannte die gute Dame keinen Namen, sodass außer meinen engsten Freunden, nie jemand erfuhr, dass es sich um meine Arbeit gehandelt hatte. Trotzdem blieb dies wohl mit einer der peinlichsten Momente in meiner Schulzeit. Und die Epoche werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Ich sag nur „Zuckerbrot und Peitsche“, 19. Jahrhundert, Otto von Bismarck.

Als ich dann beim Stöbern auf das Buch von Loel Zwecker stieß und den Klappentext las, konnte ich nicht anders, als es zu lesen. Ich bin schließlich älter geworden. Geschichte interessiert mich jetzt um einiges mehr, als früher. Das ist auch gut so. Ich finde es eigentlich ziemlich wichtig, die Vergangenheit nicht aus dem Blick zu verlieren. Die begangenen Fehler nicht zu vergessen und für die Zukunft zu lernen. Aber als Kind tickt man da halt einfach anders.

„Wer über die Geschichte Bescheid weiß, lässt sich nicht mehr so leicht mit alten Tricks überlisten.“

Vom Anfang bis Heute, S. 19.

Beim Lesen beschränkte ich mich auf zwei Kapitel pro Tag. Nicht, weil es sich nicht gut lesen ließ, sondern weil jedes Kapitel einfach unheimlich viel Input enthielt. Ich wollte aus diesem Buch möglichst viel mitnehmen, mir Zeit lassen und vergessene Dinge wieder auffrischen.

Insgesamt empfand ich den Schreibstil von Loel Zwecker als sehr angenehm. Mir gefielen insbesondere die Details, auf die er Bezug nahm. Keine sture Zahlenabfolge oder der Sprung von Ereignis zu Ereignis, sondern er zog die besonderen Dinge in den Vordergrund. Er erzählte von außergewöhnlichen Menschen, deren Kleidung oder Ideen, und wie diese ganzen Epochen beeinflusst haben. Er berichtete vom ersten Punk der Welt und gab mir Einblick in die Entstehung des Buddhismus. Kleine Geschichten mit großer Wirkung. Der Klappentext verspricht hier definitiv nicht zu viel!

„Die Vielfalt erinnert uns daran, dass Dinge, die uns bei anderen Kulturen und Menschen verrückt erscheinen, vielleicht gar nicht so verrückt sind.“

Vom Anfang bis Heute, S. 176.

Dennoch hätte ich mir das Buch lustiger vorgestellt. Natürlich ist Geschichte nicht unbedingt lustig, ganz im Gegenteil. Meist ist sie grausam und sehr erschreckend. Vermutlich hat mich das Cover einfach darin bestärkt, dass dieses Buch einen Touch Witz enthält, wegen der eher kindlichen Gestaltung. Nichtsdestotrotz fand ich es sehr inspirierend.

Ich konnte mir viele Punkte markieren, die mich wirklich überrascht, aber auch schockiert haben. Dieses Wissen wird mich ab sofort in meinem Alltag begleiten. Denn eines ist gewiss, wir Menschen haben viel entdeckt, gelernt und erfunden. Aber wir haben auch entsetzliches Leid über uns gebracht, aus Gründen, die ich selbst nur schwer nachvollziehen kann.

Machtgier, Eifersucht und Intoleranz. Mir hat dieses Buch mal wieder gezeigt, wieso ich mich als Kind nicht dafür interessiert habe. Geschichte zeigt, wie brutal und ungerecht wir sein können. Als Kind wollte ich das wohl schlichtweg nicht wahrhaben. Als Erwachsener jedoch habe ich dieses Buch wohl nicht das letzte Mal in der Hand genommen.

Fazit?

Vom Anfang bis Heute von Loel Zwecker ist eine sehr interessante und anschauliche Zusammenfassung unserer Geschichte. Er schreibt in einem lockeren Stil über die wichtigen Ereignisse, ohne dabei trockene Zahlenabfolgen herunter zu beten. Die von ihm aufgegriffen Details und Zusammenhänge lassen sein Buch zu einer echten Bereicherung werden, für jeden, der sich für Geschichte und die Entstehung unserer heutigen Kulturen interessiert.

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11 Gedanken zu “Vom Anfang bis Heute von Loel Zwecker

    • Hey 🙂

      ach, na ja, sie tat das glaube ich nicht in der Absicht um mich zu blamieren, sonst hätte sie ja meinen Namen vorgelesen. Ich denke, sie war damals einfach sehr enttäuscht, dass ihre Schüler so gar kein Interesse an ihrem Unterricht zeigten. Nachdem sie meine Arbeit vorgelesen hat, hat sie nämlich weinend das Klassenzimmer verlassen … Schon allein deshalb konnte ich ihr wohl nie wirklich böse sein. Peinlich war es aber trotzdem. ^^

      Liebe Grüße
      Ella

      P. S. Sorry für die späte Antwort ^^

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  1. Autsch – ich möchte mich im Namen aller halbwegs vernünftigen Lehrerinnen und Lehrer für diese Furie entschuldigen… das geht didaktisch ja mal sowas von gar nicht -.- Kein Wundern, dass Geschichte nicht gerade dein Lieblingsfach war.
    Aber schön, dass das Buch dich trotzdem begeistert hat und die einen neuen Zugang zur Materie geboten hat. Wie du vielleicht weißt, studiere ich gerade selbst Lehramt und ich notiere mir solche Bücher immer, da man mit denen den Unterricht erheblich aufpeppen kann. Geschichte ist zwar keines meiner Fächer, aber auch im Deutschunterricht ist das Buch sicher nicht fehl am Platz.
    Eine tolle Rezension 🙂

    Alles Liebe,
    Smarty ❤

    Gefällt 1 Person

    • Hey Smarty,

      sorry für meine späte Antwort. 🙂 Die Grippewelle reißt uns hier gerade alle von den Füßen. Ach, eine Furie würde ich die Frau nicht bezeichnen. Sie war eigentlich ganz nett und noch eine von der alten Schule. Mein Mutti hatte sie schon im Unterricht. Insgesamt tat sie mir schon etwas leid, denn nach der Aktion hat sie das Klassenzimmer weinend verlassen. Ich glaube, sie war an dem Tag einfach unendlich enttäuscht von uns und unserem fehlenden Interesse für Geschichte. 🙂 Es war mega peinlich ja, aber böse konnte ich ihr nicht sein.

      Du studierst Lehramt? Cool, nein, das wusste ich noch nicht. ^^ Dann hoffe ich, du kannst das Buch vielleicht wirklich mal passend verwenden. 😀 Ich hatte in Deutsch gefühlt nur Romeo & Juli und Faust, und war immer mega frustriert, wenn ich gesehen habe, wie viele Bücher unsere Parallelklasse lesen durfte. Zum Glück war meine Freundin keine Leseratte, sodass ich das für sie übernommen habe. 😀 Hach, das waren noch Zeiten.

      Liebste Grüße
      Ella ❤

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      • Überhaupt kein Problem 🙂
        Furie oder nicht, sowas ist pädagogisch einfach nicht förderlich. Ohje, also eine alte Lehrerin, die mit dem neuen Umgang nicht zurecht kommt. Ja, die Zeiten ändern sich und als Lehrer bekommt man das halt voll mit.

        Ja, das tu ich allerdings – Deutsch und Englisch sind meine Fächer ;D Und wenn ich es vermeiden kann, werde ich meine Schüler in keinem der Fächer zum Lesen hochliterarischer Schinken quälen 😀

        LG

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      • Dann haben es deine Schüler schon jetzt sehr gut. Obwohl ich es nicht schlimm fand Faust usw. zu lesen. Irgendwie ist es wohl auch ein gutes Stück der Allgemeinbildung, solche Klassiker zu kennen. 🙂

        Liebste Grüße
        Ella

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      • Haha, ich bezweifle, dass sie dir da zustimmen würden 😉 Aber ja, haben sie. Ich finde, man sollte den Kindern erstmal die Liebe zu Büchern vermitteln, bevor man sie mit den Literaturschinken traktiert. Allgemeinbildung hin oder her, in der heutigen Zeit ist es wohl nicht zu viel verlangt, das ganze etwas aufzupeppen, wie es etwa Sommers Weltliteratur to go macht (Beispiel Faust https://www.youtube.com/watch?v=OMXvK6uScnY)

        Alles Liebe,
        Smarty

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      • Da hast du auf jeden Fall recht und ich finde es immer toll, wenn die Lehrer versuchen die Schüler mitzureißen. Man war damals zwar noch jung, aber dennoch hat man den Unterschied zwischen einem engagierten und einem eingefahrenen Lehrer gespürt. 🙂

        Liebe Grüße und einen schönen Sonntag dir!
        Ella ❤

        Gefällt 1 Person

  2. Das ist ja wahnsinnig gemein, was diese Lehrerin da abgezogen hat 😦
    Aber immerhin hat dich das nicht davon abgehalten, dieses Buch in die Hände zu nehmen, das ist doch schon mal was 😀 Mir ging es da übrigens ähnlich, was Geschichte als Unterrichtsfach betrifft. Es war mir meist zu trocken rübergebracht und mir hat oft der Bezug dazu gefehlt. Aber wenn man sich selbst ein wenig damit auseinandersetzt (ob jetzt mithilfe von Büchern, Filmen, gut gemachten Dokus, …), dann ist das noch einmal eine ganz andere Hausnummer.
    Hab einen schönen Tag! ❤
    Ida

    Gefällt 1 Person

    • Hey Ida,

      ja, das hast du vollkommen recht. Wenn man etwas aus eigenem Antrieb tut ist es sowieso meist viel effektiver. 🙂 Geschichtliche Dokus schaue ich auch sehr gern, wenn sie gut gemacht sind.

      Liebste Grüße
      Ella ❤

      Gefällt 1 Person

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