11 – Erik & Isa | Blogroman

11 – Isa

Seit geschlagenen zehn Minuten stehe ich vor der Haustür und überlege, was ich zu Tom und Erik sagen soll. Eigentlich denke ich bereits darüber nach, seit Caro mir ihre Idee unterbreitet hat. Ihre Einfälle dazu will ich jedoch lieber nicht umsetzen. Sie sind genauso gruselig, wie die Geschichte mit Lisa, aber aus der komme ich nun leider nicht mehr raus.

»Sie bringt ihrn Trupp mit. Emma und Theresa sind auch dabei.«

Mir schallen Caros Worte noch immer im Kopf nach. Wann genau hatte ich den blöden Gedanken, dass Lisa die Lösung meines Problems sein könnte?

Wie naiv von dir, Isa.

Mit Emma und Theresa zog der ganze Zicken-Zirkus bei uns ein.

Tom und Erik werden mich lynchen.

Ich reibe meine Hände aneinander, um sie aufzuwärmen. Reingehen wäre die einfachere Variante, aber mir graut es davor. Am liebsten würde ich zurück in meine imaginäre Bibliothek flüchten.

Los, Isa! Vom Rumstehen wird es nicht besser.

Erschöpft von meinen vielen Gedanken, und den Gedanken der Gedanken, schließe ich die Tür auf. Der Flur ist dunkel. Lediglich blaues Licht aus der Wohnstube flimmert auf den Fließen. Ich höre die Melodie von Mario Card und Stimmengemurmel. Die Jungs zocken, das gibt mir noch einen kleinen Puffer. Ohne Licht einzuschalten, stelle ich leise den Rucksack auf den Boden, entledige mich meiner Jacke und schleiche in die Küche.

Ich will mir gerade ein Glas aus dem Schrank nehmen, als grelles Licht den Raum durchflutet. Missmutig kneife ich die Augen zusammen, bis sie sich an die Helligkeit gewöhnt haben.

»Warum stehst du hier im Dunkeln?«
Eriks Stimme lässt einen Schauer über meinen Rücken rieseln.

»Ich brauche kein Licht«, antworte ich, ohne mich zu ihm umzudrehen. »Etwas zu Trinken finde ich auch so.« Meine Stimme klingt schnippisch, denn ich fühle mich ertappt und mein Herz beginnt vor Nervosität zu flattern. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit. Irgendwann hätte ich sowieso das Wohnzimmer betreten müssen. Aber so unvermittelt mit ihm konfrontiert zu werden, lässt meine Knie weich werden. Mit zitternden Fingern nehme ich irgendein Glas heraus und stelle es lauter, als beabsichtigt auf den Tresen.

»Aha, und was willst du mit den Gurken?«

»Was?«, frage ich verdutzt und schaue auf meine Hand, die ein Glas saure Gurken umklammert. Wegen Eriks plötzlichem Auftauchens muss ich aus Versehen danach gegriffen haben. Die Konserven stehen direkt neben den Gläsern. Mein Gesicht wird knallrot. Ausreden murmelnd stelle ich die Gurken zurück an ihren Platz, um dann möglichst lange nach einem passenden Glas zu suchen. Und zwar solange, bis meine Haut wieder Normaltemperatur annimmt.

Ich spüre Eriks Anwesenheit hinter mir überdeutlich. Es fühlt sich an, als ob sein Blick Löcher in meinen Körper starrt.

»Ich habe Tom von deinem Wunsch erzählt und ich denke, du bist uns beiden eine Erklärung schuldig.«

Mein Atem stockt und meine Finger verharren in der Luft. Erik denkt also wirklich, dass ich die SMS nicht gelesen habe. Unwillkürlich muss ich an das Handy in meinem Rucksack denken und bekomme ein schlechtes Gewissen.

Mit dem Rücken weiterhin zu Erik gewandt, sage ich: »Ich trinke nur schnell ein Glas Wasser, dann komme ich ins Wohnzimmer. Okay?« Ich schließe die Augen und hoffe, dass Erik nicht auf mich warten will.

Zwei Minuten. Bitte, gib mir nur zwei Minuten, um mich zu sammeln.

»Gut, bis gleich.«

Erleichtert stoße ich die Luft aus, die ich unwillkürlich angehalten habe. Als seine Schritte verklungen sind, schließe ich den Schrank und stütze mich rücklings an den Küchentresen. An Trinken ist nicht mehr zu denken. Mein ganzer Körper bebt.

Ich hasse lügen. Ich hasse es wie die Pest, aber ich bin selbst schuld. Es gibt nur zwei Möglichkeiten aus dieser Misere wieder herauszukommen. Entweder ich gestehe Erik meine Gefühle oder ich tische ihm eine Ausrede auf.

Ersteres kommt nicht in Frage. Schon allein die Vorstellung über das »Was kommt danach?« bereitet mir Bauchschmerzen. Es gab nie Anzeichen dafür, dass Erik genauso empfindet, wie ich. Natürlich haben wir uns immer gut verstanden, aber da war nie mehr. Ich meine, er hat nie versucht, mir nahe zu kommen, mich zu küssen oder Ähnliches. Das Ergebnis wäre demnach ein Korb seinerseits. Das an sich wäre schon furchtbar, aber das Ganze auch noch in Anwesenheit von Tom?

Ich vergrabe mein Gesicht in den Händen und versuche das Chaos in mir durch tiefes ein- und ausatmen unter Kontrolle zu bringen.

Warum konnte ich nur meine verdammte Klappe nicht halten? Wieso bin ich nicht weiter den abendlichen Treffen ferngeblieben? Jetzt bleibt mir keine andere Wahl.

Tapfer streiche ich über den gepunkteten Pulli. Mein Lieblingspullover, hoffentlich hilft er mir bei dem, was jetzt auf mich zukommt.

Als ich das Wohnzimmer betrete, sitzen Erik und Tom auf der Couch und reden miteinander. Allerdings verstehe ich nicht worüber sie sprechen, weil die Titelmusik des Spiels sie übertönt. Ihre Silhouetten werden nur durch das Flimmern des Fernsehers hervorgehoben, ansonsten ist der Raum dunkel.

Ich fühle mich unwohl.

Mit wenigen Schritten erreiche ich die moderne Stehlampe in der Ecke und schalte sie an. Warmes Licht durchflutet den Raum und ich fühle mich direkt besser. Vorhin hatte ich die Dunkelheit gesucht, in der Hoffnung mich in ihr verstecken zu können, doch jetzt hat sie mich erdrückt.

»Alter, Isa, muss das sein?«, beklagt sich mein Bruder.

»Was sitzt ihr hier auch im Dunkeln?«, kontere ich und kann ein schadenfrohes Grinsen nicht unterdrücken.

»Das sagt die Richtige, nachdem sie versucht hat im dunkeln ein Gurkenglas zu trinken.«

Ich setze mich in den Sessel schräg gegenüber der Couch und strecke Erik die Zunge raus. Er grinst und sieht dabei verboten gut aus. Damit ich nicht anfange vor Aufregung an mir herumzufummeln, schnappe ich das Kissen neben mir und drücke es gegen die Brust.

»Caro hat vorhin angerufen«, sagt Tom und blinzelt mich mit halb zugekniffenen Augen an. »Du hast dein Handy bei ihr liegen lassen.«

Ich versuche, überrascht auszusehen. »Echt? Ach, Mist! Das habe ich gar nicht bemerkt.«

»Aber mal abgesehen von deiner üblichen Vergesslichkeit, warum willst du eigentlich, dass Erik nicht mehr herkommt? Habt ihr euch gestritten?« Tom schaut zwischen seinem Freund und mir hin und her. Irgendwie sieht mein Bruder ziemlich erschöpft aus. Die Ringe unter seinen Augen sind dunkler und auch seine Locken sehen noch zerzauster aus, als sonst. Ist irgendetwas passiert?

Erik hebt nur ahnungslos die Schultern.

Ein letztes Mal hole ich tief Luft, dann spreche ich das Unvermeidliche aus. »Es ist wegen Lisa.«

Eriks Gesicht friert ein.

»Sie kommt her.«

Toms Mund klappt auf.

»Zusammen mit Theresa und Emma.«

Beide starren mich an, als ob ich die Inkarnation des Teufels wäre.

»Wir wollen gemeinsam für die Prüfung lernen«, füge ich kleinlaut hinten an.

Die darauffolgende Stille wird vom Klingeln eines Handys durchbrochen. Ich drücke das Kissen noch fester an mich. Kalter Schweiß bricht mir aus, denn ich erkenne den Ton sofort.

Zeilentrenner neu

Ihr werdet mich vermutlich ebenfalls lynchen, wenn ihr die folgenden Zeilen gleich lest. Aber ich verabschiede mich für die nächsten 2 Wochen in den Urlaub und danach steht mir ein Umzug bevor, der meine ganze Aufmerksamkeit fordern wird. In dieser Zeit pausiert leider auch der Blogroman. Entschuldigt, das ich euch so auf dem Trockenen zurücklasse, aber ich will keinen Text zwischen Tür und Angel verfassen.

Ich hoffe, ihr verzeiht mir die Durststrecke und wir lesen uns am 14.10.2018 wieder.

Signum

Etwas verpasst? Kein Problem, hier kommst du zu den vorherigen Kapiteln:

Kapitelübersicht


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3 Gedanken zu “11 – Erik & Isa | Blogroman

  1. Neeeeeeeeeeeein! xD
    Das kannst du doch nicht tun! :P
    Spaß! Ich wünsche dir einen tollen Urlaub und einen nicht allzu stressigen Umzug.
    Das Kapitel war wieder toll! Die beiden … echt. Ob sie sich jemals gestehen, was sie fühlen? Hach …

    Liebste Grüße,
    Wiebi

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  2. Puh, das ist alles? Ich dachte schon, etwas innerhalb der Geschichte wird passieren, dessentwegen du es verdient hättest, gelyncht zu werden. Ich bin erleichtert ^^
    »Das sagt die Richtige, nachdem sie versucht hat im dunkeln ein Gurkenglas zu trinken.« = eindeutig mein Lieblingssatz xD
    Aber die Art, wie du zwischen Isas Geständnis und der Reaktion der Jungs hin und her wechselst, ist wirklich genial!

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