Rezension | Absolution – Wie man eine Sünde überlebt von Jasmin Romana Welsch

Dieses gute Stück entdeckte ich auf der Leipziger Buchmesse. Auf der Suche nach neuem interessanten Lesestoff, durchstöberte ich die Werke beim Sternensandverlag und stieß auf dieses Buch. Ich hatte seit Ewigkeiten keinen so langen Klappentext mehr auf der Rückseite eines Buches gesehen und beim Lesen musste ich direkt Schmunzeln, was für mich immer ein gutes Zeichen ist, also fackelte ich nicht lange und nahm es mit.

Absolution // Jasmin Romana Welsch

Autor|in: Jasmin Romana Welsch
Verlag: Sternensandverlag
ISBN: 978-3-906829-12-8
ca. 224 Seiten
Preis: 12,95 € (Taschenbuch)

Verlag|Thalia|Amazon

Um was geht´s?

Mein Name ist Sixten. Ich denke, ich war ein durchschnittlicher Absteiger: unterbezahlt, launisch und auf das Leben und die ach so verkommene Welt schlecht zu sprechen. Da war mein kleines Drogenproblem, diese nervenaufreibenden Sitzungen bei Doktor Mattson und mein Kumpel Nils, der seit der Grundschule nicht gelernt hat, länger als zehn Stunden sauer auf mich zu sein. Summa summarum war mein Leben Mist, aber unkompliziert genug, um den Pessimismus in die tägliche Routine einfließen zu lassen. Ich hätte genau so weitergemacht, wäre nicht alles plötzlich unwirklich geworden. Auf einmal soll ich ein Todsünder sein und der Sklave eines Dämons werden – das behauptet zumindest die sprechende Katze, die will, dass ich sie Meisterin nenne.

Vielleicht habe ich auch einfach Wahnvorstellungen von der Kokserei bekommen. So oder so, mein Leben braucht eine Kehrtwende. Dann muss ich mich eben damit abfinden, dass es Himmel und Hölle gibt, auch wenn ich bisher Atheist war. Ich war ja auch ein gefühlskaltes Arschloch und finde mich jetzt damit ab, dass ich die Dämonen-Katze, die meine Seele verschachern will, irgendwie mag. Einer von uns wird trotzdem verlieren. Am Ende bin ich vielleicht tot, verrückt oder clean, aber das müsst ihr schon selbst herausfinden.

Wie fand ich es?

Dieses Buch hat mich von Anfang bis Ende in Atem gehalten. Ehrlich, diese Story war einfach nur total abgedreht. Versprach der Klappentext eher eine rundum witzige Geschichte über Dämonen, Himmel und Hölle, so wurde ich in Wahrheit mit den unterschiedlichsten Gefühlen und Situationen überschwemmt, dass ich jetzt gar nicht weiß, wo ich anfangen soll zu berichten.

Es war wirklich eine Achterbahnfahrt und ich frage mich, ob ich überhaupt schon ausgestiegen bin. Der Schreibstil der Autorin ist einnehmend, ohne penetrant zu sein. Gerade Sixten ist ein sehr kühler und abweisender Typ, der sich seiner teilweise verletzenden Art durchaus bewusst ist. Für mich hat Jasmin Romana Welsch diesen Fakt wunderbar rüber gebracht. Ich mochte Sixten total gern.

„Ich fühle mich noch immer irre. Wie ein Junkie mit Wahnvorstellungen, der versucht, seine Finger in das magisch leuchtende Loch zu stecken, das sich am nächsten Tag als Steckdose entpuppt.“

Absolution, S.77.

Ungefähr die letzten drei Bücher, die ich gelesen habe, konnten mich allesamt überraschen. Weder Klappentext, noch Cover oder bereits gelesene Rezensionen konnten mich auf das Vorbereiten, was innerhalb dieser Seiten auf mich wartete. Genau so liebe ich das und genau so war es auch bei Absolution. Ein Buch was von einer Wendung in die andere stürzte und mich einfach mitriss.

Im Kontrast zum Klappentext barg diese Geschichte nicht nur spaßige Passagen, sondern durchaus ernste und traurige Themen, die mich erstmal schlucken ließen. Das „kleine Drogenproblem“ bestimmt nämlich Sixtens komplettes Leben, was gelinde gesagt, einfach beschissen ist. Mit dem Auftreten seiner Meisterin aka Dämonen-Katze nimmt die Story dann die witzige Fahrt auf, die ich direkt von Beginn an erwartet hatte.

„Wahrscheinlich verhaut sie Jesus gerade mit dem Putzlappen, weil er seine Schmutzwäsche unters Bett statt in den Wäschekorb geworfen hat.“

Absolution, S. 77.

Nicht nur Sixtens pessimistische Einstellung, sondern auch die Meisterin persönlich sorgten bei mir für den ein oder anderen Lacher. Danach wurde die Geschichte immer irrwitziger. Viel mehr möchte ich hier nicht verraten, davon muss sich jeder selbst ein Bild machen. Ich kann auch nicht genau sagen, ob mich die Story wirklich begeistert hat, aber sie war so schräg und unerwartet, das ich echt empfehle das Buch zu lesen.

Was mich über mich selbst staunen lässt, ist das Ende, denn das gibt dem Leser einen gewissen Spielraum. Zum ersten Mal empfinde ich das jedoch nicht als störend, sondern sehr passend.

Fazit?

Wenn ihre schräge Charaktere, eine unerwartete Story und schwarzen Humor mögt, dann seid ihr mit dem Buch absolut richtig beraten. Himmel und Hölle, Dämonen und ein Junkie haben meinen Leseabend gründlich durcheinander gewirbelt. Dieses Buch hat mich völlig überrascht und irgendwie blicke ich immer noch ein wenig aufgewühlt auf dieses Cover und frage mich, wie meine so völlig anderen Erwartungen so gesprengt werden konnten.

Ella-Logo3

8 Gedanken zu “Rezension | Absolution – Wie man eine Sünde überlebt von Jasmin Romana Welsch

  1. Liebe Ella,
    das klingt nach einem interessanten Roman. Der Sternensand Verlag sagte mir bis eben gar nichts! Da muss ich mir mal das Programm angucken 🙂
    Das Buch reizt mich jetzt irgendwie, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich beim Lesen selbst nicht vielleicht ein wenig genervt vom Protagonisten sein könnte. Wenn er Drogenprobleme hat und pessimistisch ist, ist es für mich wohl eher ein Buch, das ich nur zu bestimmten Zeiten lesen kann. Also wenn ich in einer ganz bestimmten Stimmung bin, weißt du? Ansonsten würde ich mich glaube ich über ihn aufregen 😀
    Liebe Grüße,
    Janika

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Janika,

      entschuldige bitte mein späte Antwort. 🙂 Es freut mich, wenn du so über einen neuen Verlag gestolpert bist. Gerade die noch unbekannten kleineren Verlage freuen sich immer über neue Kundschaft. 😉 Ich hoffe du findest etwas passendes für dich.
      Ich weiß, was du meinst, bezüglich des Protagonisten, aber ich denke, das wird hier nicht der Fall sein. Denn ich fand seine Art eigentlich ziemlich sympatisch. Er war so … er hat sich sehr gut selbst reflektiert und man hatte nie das Gefühl, dass er sich in seinem Dilemma gesuhlt oder bemitleidet hat. Eher im Gegenteil. 🙂 Du kannst ja mal Bescheid geben, falls du das Buch lesen solltest.

      Liebste Grüße
      Ella ❤

      Gefällt 1 Person

    • Liebe Mila,

      ach toll, wenn ich einige Leser mit diesem Tipp begeistern konnte. 😀 Falls es bei dir zu Hause einziehen darf, wünsche ich dir in jedem Fall viel Spaß beim Lesen und bin gespannt auf dein Feedback zum Buch.

      Liebste Grüße
      Ella<3

      Gefällt mir

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