Schreibst du überhaupt noch?

Eine Frage, die mir jetzt mein Freund vor kurzem stellte, als er mich mal wieder dabei erwischte, wie ich stundenlang durch Facebook scrollte und auf anderen Blogs stöberte.

Schreibe ich denn noch? Was für eine Frage, wo ich doch dreimal die Woche einen Beitrag auf meinem Blog veröffentliche. Aber das war natürlich nicht der Kern seiner Fragerei. Der bezog sich ganz klar auf mein Manuskript, was irgendwann mal ein Buch werden will.

Schreibe ich denn noch? Die Antwort darauf lautet ganz klar – JA! Natürlich schreibe ich noch. Aber ich muss zugeben, dass ich das in den letzten Wochen sträflich vernachlässigt habe. Schreibkiller Nummer eins war die Zeit. Und ja, jeder Schreiberling wird jetzt gleich genervt den Kopf schütteln und sich denken: Na dann nimm dir doch die Zeit, wenn es dir wichtig ist.

Ja, ihr habt recht!

Aber mir sind auch noch andere Dinge sehr wichtig. Lesen, Bloggen und Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie verbringen, zum Beispiel. Ich möchte nichts davon missen. Alles soll irgendwie Platz in meinem Leben finden, aber wie soll das ohne Kompromisse gehen? Vollzeit arbeiten, Haushalt, Beziehung, Familie und dann noch so ein umfangreiches Hobby. Manchmal schüttele ich bewundernd den Kopf, wenn ich sehe, dass manche all das offenbar gleichzeitig schaffen.

Aber ist dem wirklich so?

Ich denke nicht. Irgendetwas fällt immer hinten runter, weil es einfach nicht machbar ist. Man muss sich also immer entscheiden, was für einen aktuell gerade am wichtigsten erscheint und sich darauf konzentrieren.

Für mich war das in den letzten Wochen mein Blog und die Arbeit an einigen Blogprojekten, wie Try a blind date with a book oder die bevorstehende Blogtour von Marie Rapp – Seele aus Eis. (Hierauf freue ich mich übrigens schon total!) All das war mit viel Arbeit verbunden. Und da ich jemand bin, der sich immer mit vollem Herzen hinter eine Sache klemmt, kam meine Schreiberei in dieser Zeit leider viel zu kurz. So ist das eben manchmal. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich nicht mehr schreibe. Deshalb möchte ich euch heute kurz erzählen, wie es aktuell um mein kleines Herzensprojekt steht.

Wie ist der Stand?

»Wie ich diese Kopfschmerzen hasse«, murmelte ich vor mich hin und revidierte die Aussage sofort. »Wie ich diesen Umzug hasse.«
»Ich finde ihn toll.« Sophies blaue Augen tauchten hinter einem Stapel Bücher auf. »Wir haben dann ein eigenes Haus, einen riesigen Garten und wohnen direkt am Wald.« Sie begann all die Vorteile aufzuzählen, die mir auch unsere Eltern jedes Mal vorbeteten, wenn ich erneut versuchte, ihnen die ganze Sache auszureden. Wortlos schüttelte ich den Kopf.

Ich habe es tatsächlich geschafft, den Plot und die Showdown-Szene, wie ich sie so gerne nenne, auf einem Taschentuch festzuhalten. Taschentuch? Ja, richtig gelesen. Bei Kaffee und lecker Essen lässt es sich mit der besten Freundin eben am besten über das eigene Buch-Projekt sprechen.

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Book Brainstorming in der Turtle Bay

Meine Freundin liest nur selten ein Buch und ein Buch schreiben, wäre für sie ein unvorstellbares Hobby. Aber sie ist sehr kreativ und ein absoluter MARVEL Junkie. Das heißt, ihre Fantasie ist mindestens genauso groß wie meine, und na ja, ihr könnt euch ja vorstellen, auf welchen intergalaktischen Irrwegen wir an diesem Nachmittag unterwegs waren. Wir hatten ein paar richtig coole Ideen, wovon ich auch einige in meinem Buch umsetzen möchte. Inwieweit mir das wirklich gelingt, werden wir sehen. Aber das Essen war auf jeden Fall super! ^^

Wut stieg in mir hoch. Nur wegen diesem blöden Umzug lief alles aus dem Ruder.
»Wenn ich nicht gezwungen wäre, all meine Sachen, in Pappkartons zu stopfen, müsste ich Sophie auch nicht wegen einer kaputten CD anschreien.« Aufgebracht funkelte ich sie an.
Mums Blick verdunkelte sich. »Ich will diese Diskussion nicht noch einmal führen. Dieses Haus bedeutet deinem Vater und mir sehr viel. Und wir werden dorthin ziehen, ob du willst oder nicht.« (1. Kapitel – Das Erbe der Seelenhüter)

Inzwischen habe ich die 90k Wörter geknackt, eine Zahl, die mich immer noch staunen lässt. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so viel schreiben würde und mir immer noch nicht die Lust daran vergeht. Im Juli hatte ich mich dazu entschlossen meine Lesegruppe zu schließen. (Vielen Dank noch einmal an euch, ihr fleißigen Bienen.) Ein Schritt, den ich bis jetzt kein Stück bereue, obwohl er mich schon traurig gestimmt hat. Seitdem habe ich versucht, das Feedback und das neu gewonnene Wissen umzusetzen.

Ganze Kapitel mussten weichen und wurden neu geschrieben. Unlogische Passagen wurden markiert, überdacht und teilweise ausradiert. Nicht jedes Problem ist einfach zu lösen. In meinem Kopf ist die Geschichte bereits fertig. Da, zwischen meinen krummen Gehirnwindungen, klingt das alles ganz toll, total logisch und wunderbar. Die Realität sieht leider etwas anders aus. Es gibt Textstellen, die finde ich rundum gelungen und dann wieder gibt es Stücke, an den doktore und werkel ich herum und trotzdem wird es einfach nicht rund.

Der grausamste Tag meines Lebens hatte begonnen und der Klumpen in meinem Magen fühlte sich noch schwerer an, als in den letzten Wochen. (1. Kapitel – Das Erbe der Seelenhüter)

Wenn mein Buch irgendwann mal wirklich in den Druck geht (Wunschgedanken fliegen) und dann jemand vor mir steht, mit der Aussage: „Ach, ein Buch schreiben, das kann ich auch. Ist doch nicht schwer.“ Dann muss ich, glaube ich, mal kurz ausrasten. Seitdem ich selbst schreibe, schätze ich die Bücher in meinem Regal noch einmal auf eine ganz andere Art und Weise. Das Bewusstsein, welch großartige Arbeit viele Autoren und Autorinnen leisten wird einem erst dann richtig bewusst, wenn man versucht, ihnen nachzueifern. Ein Grund mehr, weshalb ich es ganz furchtbar finde, in manchen Rezensionen Dinge zu lesen, die weit unter die Gürtellinie reichen.

»Na, was sagt ihr zu unserem Neuen zu Hause?« Paps Stimme überschlug sich fast vor Begeisterung. Kritisch beäugte ich das alte Gemäuer. Jetzt, wo ich unmittelbar davor stand, spürte ich eine langsam wachsende Neugierde, auf dieses Fluchhaus. Das komplette Anwesen strahlte, trotz seines heruntergekommenen Zustandes, eine Erhabenheit und Herrschaftlichkeit aus, die ich kaum in Worte fassen konnte. […]
»Geht schon«, brummte ich. Bloß nicht zu viel Begeisterung zeigen, sonst hielten meine Eltern diesen Umzug noch für eine gute Idee und das war er definitiv nicht. (2. Kapitel – Das Erbe der Seelenhüter)

So etwas würde ich nie schreiben, selbst wenn ich nicht selber schreiben würde. Wenn ich mir vorstelle, dass jemand mal so über mein Buch reden könnte … Ich glaube, ich müsste erstmal eine Runde heulen gehen.

Ich hoffe, euch hat dieser kleine Einblick in meine Schreiberei gefallen. Sobald es Neues zu berichten gibt, werde ich euch natürlich als Erstes informieren. Bis dahin versinke ich wieder zwischen meinen Buchstaben und Zeilen.

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20 Gedanken zu “Schreibst du überhaupt noch?

  1. Anne-Wiebke Peters schreibt:

    Hi Ella!!

    Sehr cool dieser Einblick in dein Buch. Ich stelle also hiermit einen Antrag: Ich möchte es lesen 😛 Jetzt. Sofort. Keine Widerrede 😉

    Ich finde, es ist ein mutiger Schritt ein Buch zu schreiben und noch ein mutigerer darüber zu reden. Öffentlich und so. Respekt!
    Ich hoffe, du teilst noch einige Male deine Gedanken zu deinem Buch mit uns.

    Liebste Grüße,
    Wiebi

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Wiebi,

      vielen Dank für deine Worte. Ich denke, zu sagen, “Ich schreibe ein Buch.“ ist schon leicht. Es tatsächlich umzusetzen hingegen nicht. Und deshalb bewundere ich auch jeden der diesen Schritt geschafft hat.

      Falls es bei mir irgendwann soweit ist, darfst du dich gern als Testleserin opfern. ✌😁 Bis dahin halte ich euch hier auf dem neuesten Stand.

      Liebe Grüße
      Ella

      Gefällt 1 Person

      • Anne-Wiebke Peters schreibt:

        Testleserin? Wo muss ich unterschreiben? Es wäre mir eine Ehre, Madam 💕❤️

        Ja, das hab ich mir während des Studiums auch gedacht, wenn man einen Artikel geschrieben hatte und zu Hören bekam: Na das hätte ich auch schreiben können. Meine Antwort war dann oft: Und wieso tust du es dann nicht, wenn du meinst, es sei so einfach?!
        Ich weiß, wie viel Arbeit ein gut recherchierter Artikel kostet. Ich kann mir daher nur ansatzweise vorstellen, wie viel Arbeit ein Buch kosten mag. Hut ab 😘

        Ich freue mich auf Neues von dir,
        Wiebi

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      • Oh, wie schön! 😃❤ Du bist hiermit offiziell vorgemerkt! 😉

        Ja, einen guten Artikel zu schreiben ist wohl ähnlich. Zumal dieser zusätzlich noch auf Fakten und gut recherchierten Hintergründen beruht. Bei Büchern, gerade im Bereich Fantasy, hat man dann doch noch etwas Spielraum. Zum Glück. 😂

        Liebe Grüße
        Ella

        Gefällt 1 Person

    • Oh mann, ich zieh echt den Hut vor dir. 😃 Acht Stunden am Stück schreiben. Wow! Abgesehen davon, dass ich so viel Zeit am Stück nicht hätte. Wüsste ich auch nicht, ob ich das durchhalten würde. Ich lass mich zu schnell ablenken. 😂

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  2. Liebe Ella,
    ja, ja, so ist das manchmal. Man kommt einfach nicht zum Schreiben und dann fühlt man sich schlecht =( So geht es mir jedenfalls immer. Aber lass dich nicht unterkriegen! Dann hast du eben weniger geschrieben in den letzten Wochen, na und? Dann wird jetzt wieder in die Tasten gehauen! Die Ausschnitte klingen doch super und ich bin sehr gespannt, was du am Ende für ein Buch erschaffen hast. Und wow, 90k Wörter! Respekt!
    Liebe Grüße,
    Daniela

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Daniela,

      vielen Dank für dein Feedback und deine lieben Worte. Mir geht es ähnlich, denn mich überkommt auch immer das schlechte Gewissen, wenn ich das Schreiben schleifen lasse. Aber manchmal kann man das eben nicht ändern. Schön zu lesen, dass ich damit nicht allein bin. ^^ Ich werde mir Mühe geben und die Tasten wieder zum glühen bringen. 😉

      Alles Liebe
      Ella ❤

      Gefällt 1 Person

  3. Hallo Ella,
    schön, von dir und deinem Projekt zu hören! 90k – wow, davon bin ich noch meilenweit entfernt! Respekt für diese Leistung. Und dass du nicht aufgibst! Ich weiß genau, was du meinst, wenn du beschreibst, wie die Geschichte in deinem Kopf aussieht – das kenne ich nur zu gut! Aber manches Mal hat mich mein Freund auch schon auf den harten Boden der Tatsachen zurückgeführt und gesagt: So geht das nicht 😛
    Liebe Güße, Alex

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Alex,

      ja den Boden der Tatsachen habe ich auch schon mehrmals wieder erreicht. 😀 Der kann echt hart sein, aber nur so lernt man dazu und kommt weiter. Testleser sind da sehr hilfreich. Aber irgendwann ist die Geschichte aus meinem Kopf, auf Papier gebannt, da bin ich sicher. ^^

      Liebe Grüße
      Ella

      Gefällt 1 Person

  4. Liebe Ella,

    erstmal: Gib nicht auf!!! 🙂 Ich glaube ja, dass alles was irgendwie passiert, und sei es eine Leseflaute oder auch eine Schreib/Ideenblockade oder Zeitmangel für etwas gut ist. Wenn nicht für das eine, dann für etwas anderes und egal wie, man profitiert daraus. Ich finde es total bewundernswert wie du dein Ziel verfolgst und Respekt dafür!!! Bleib am Ball, setz dich nicht unter Druck, manchmal kommen die richtigen Worte und Ideen, wenn man sie am wenigsten erwartet!! 🙂

    Ich freue mich auf jedenfall sehr darauf, wenn du irgendwann den entscheidenen Punkt setzt 😉 und wir es dann endlich endlich zu lesen bekommen!!

    Liebste Grüße
    Sari

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Sari,

      vielen, vielen Dank für deine lieben Worte. Du glaubst gar nicht wie mich das motiviert. ❤ Und glaub mir, wenn ich irgendwann den entscheidenden Punkt setze, werde ich es in die Welt hinaus schreien! 😀

      Liebste Grüße
      Ella

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